Reisetipp: Modena, die unbekannte Schöne.

Reisetipp: Modena, die unbekannte Schöne. Ein paar Frühlingstage in einer norditalienischen Stadt. Was für ein verrführerischer Gedanke! Deshalb war ich sofort begeistert, als meine Tochter mir anbot, sie nach Modena zu begleiten. Denn sie hatte dort für ein paar Tage beruflich zu tun.

Die Stadt Modena liegt in der Emilia-Romagna, ist eigentlich berühmt für den Balsamico-Essig und für Sportautos. Beides interessiert mich jetzt nicht so sehr. Aber die Stadt mit den vielen guterhaltenen Gebäuden und Kunstschätzen aus dem 18. Jahrhundert  wollte ich gerne kennenlernen. Dazu das italienische Flair und die Möglichkeit, italienische Mode und köstliches italienisches Essen zu genießen – dieser Gedanke gefiel mir ausnehmend gut!

Modena in fiore

Also fuhren wir mit dem Zug nach Bologna. Der Zug fährt durch von München und braucht 6,5 Stunden. Modena selbst ist dann nur noch 20 Minuten entfernt. Die Bahnfahrt verlief erstaunlich entspannt und ohne Verspätung. Vom Bahnhof in Modena bis zum Appartment im Univiertel waren es zu Fuß nur 6 Minuten. Wir kamen am Nachmittag an und die Stadt empfing uns mit Sonnenschein und lauen Temperaturen. Unser Fußweg führte durch schmale Gassen in der Altstadt, über holpriges Kopfsteinpflaster und an prächtig erhaltenen alten Häusern vorbei.

Reisetipp: Modena, die unbekannte Schöne

Reisetipp: Modena, die unbekannte Schöne. Viele Häuser in der Altstadt sind in Gelb- und Orangetönen gestrichen und schauen von außen sehr stilvoll und malerisch aus. Innen erwartet uns ein Innenhof, ein Aufgang mit abgetretenen Marmortreppen und ein Aufzug, der verdächtig ruckelt und auch mal während der Fahrt kurz stehenbleibt. Also beschließen wir, zukünftig lieber zu Fuß in den dritten Stock zu laufen!
Nach dem Auspacken machen wir uns auf, die letzten Sonnenstrahlen zu genießen. Wir bummeln über malerische Plätze, an schönen alten Kirchen vorbei auf der Suche nach einem Ort für einen Aperitif. Bald werden wir fündig neben einem wunderschönen alten Platz bei der San Giorgio Kirche aus dem Jahre 1685. Der Aperitif wird – wie in Italien üblich – üppig begleitet von Nüssen, Gebäck und Oliven. Die Bar ist urig mit alten Apothekerschränken eingerichtet, der Service freundlich und schnell.
Italienischer Aperitif
Caffetteria Giusti
Uriges, kleines Café mit Nostalgieflair. Aperitifs gibt es auch.
Adresse: Via Luigi Carlo Farini, 83, 41121 Modena MO, Italien
Am Abend treffen wir uns mit den Unikolleginnen meiner Tochter in einem typisch italienischen Ristorante und es wird ein ausgedehntes Essen mit Prosciutto und Salami, Pasta und Dolci aufgetischt. Wir verständigen uns auf Englisch, Deutsch und Italienisch, ein lustiges Durcheinander.

Es ist spät, als wir zu unserem Appartment zurückkehren und das ist auch gut so. Schlafen wäre sowieso schwierig. Denn auf dem Platz vor unserem Haus gibt es zahlreiche Bars und Trattorien, in denen sich am Abend die Jugend trifft und lautstark feiert. Gelächter und Unterhaltungen hört man bis weit in die Nacht. Und am Morgen leeren die Wirte ihre verbrauchten Glasflaschen in bereitgestellte Container. Das laute Gescheppere reißt auch uns aus dem Schlaf!

Reisetipp: Modena, die unbekannte Schöne. Aber wir haben an diesem Tag eh einiges vor: Während meine Tochter ihre Präsentation an der Uni hält, mache ich mich auf, Modena zu erkunden. Da die Stadt so klein ist, kann man sie gut zu Fuß kennenlernen. Alles liegt nah beieinander. Zuerst schaue ich mir die romanische Kathedrale von Modena an mit dem weitläufigen Domplatz (Piazza Grande) und dem Glockenturm (Torre Ghirlandina). Sie wurden im Jahr 1997 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. Ich bin beeindruckt von der Opulenz und der Pracht der weitläufigen Kathedrale. Es gibt dort seitliche Treppen, über die man zu einem weiteren Stockwerk mit Altären und Gebetsbänken gelangt. Sehr eindrucksvoll.

Dom und Stadtturm von Modena

Reisetipp: Modena, die unbekannte Schöne. Den Eingang zum Stadtturm finde ich nicht sofort, denn er liegt etwas versteckt hinter dem Dom. Der Torre Ghirlandina ist immerhin 90 Meter hoch und von dort oben hat man angeblich die beste Aussicht über Modena. Also steige ich die steile Wendeltreppe hinauf mit erstaunlich gut erhaltenen Steinstufen. Etwas atemlos komme ich oben an. Aber der Ausblick über die Altstadt mit ihren Dächern in Rosttönen war den Aufstieg sicher wert. Leider sind die Fenster oben vergittert. Trotzdem bietet sich wie versprochen „una vista  spettaculare“.

Bereits im frühen 12. Jahrhundert wurde mit dem Bau des Stadtturmes begonnen, fertiggestellt war er dann 1319. Als Glockenturm der Kathedrale erbaut hatte er von Anfang an für die Stadt eine wichtige bürgerliche Funktion: Der Klang seiner Glocken skandierte das Tempo des öffentlichen Lebens, meldete das Öffnen der Tore in der Stadtmauer und rief in Gefahrensituationen die Bevölkerung auf, sich zu versammeln.

Reisetipp: Modena, die unbekannte Schöne

Nach der Besichtigung von Kathedrale und Turm schlendere ich noch ein bisschen durch die Altstadt. In einer Seitengasse entdecke ich das Café Canalino und beschließe, eine Pause einzulegen.. Ich hole mir einen Latte macchiato und eine köstliche Foccaccia mit Spinat, setze mich an einen kleinen Tisch vor das Café und schaue den Menschen von Modena bei ihrem Alltag zu.

Reisetipp: Modena, die unbekannte Schöne

Dabei lerne ich auch noch, wie der (italienische Kaffee) sein soll: Nämlich schwarz wie die Nacht, heiß wie die Hölle und süß wie die Liebe. Also genießen wir ihn wie die Italiener 😉

italienischer caffé

Canalino Market Caffee

Zentral gelegenes Café, in dem es auch leckere Sandwiches, Croissants & süße Stückchen gibt.

Adresse: Via Canalino, 8-10, 41121 Modena MO, Italien Öffnungszeiten: Mo – Sa 7:00 -21:30 Uhr

Reisetipp: Modena, die unbekannte Schöne. In die historische Innenstadt aus dem 18.Jahrhundert dürfen nur noch die Menschen mit dem Auto fahren, die hier wohnen oder ein Geschäft haben. Für alle anderen ist es verboten und wird streng kontrolliert. Also, sind in den engen, malerischen Gassen die Menschen hauptsächlich zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs. Aber die Wege sind eh kurz und alles ist gut zu erreichen.

Viele Italienerinnen und Italiener radeln vorbei. Die Männer smart in Businessanzügen und glänzend geputzten Lederschuhen. Die Frauen schick in bunten Röcken und Kamelhaarmänteln. Ihre Lederstiefel haben teils abenteuerlich hohe Absätze. Es gibt viele Studenten, die lässiger angezogen sind. Während ich die Leute beobachte, kommt ein kleines Elektromobil vorbei, bringt die Post und Pakete. Leider wollte die nette Postbotin, mit grauen Locken und lässig in Jeans und Sneakers, nicht mit aufs Foto.
Post in Modena

Reisetipp: Modena, die unbekannte Schöne. Für das Abendessen suchen wir uns eine kleine Trattoria in der Nähe unserer Wohnung und werden nicht enttäuscht. Am nächsten Morgen machten wir uns nach einem kurzen Frühstück auf zum Mercato Albinelli. Der überdachte Markt ist ein Fest für Augen und Gaumen. Schinken, Käse, frisches Obst und Gemüse, Wein, frischer Fisch, kleine Kuchen und Biscotti – alles kann man hier kaufen! An einigen Ständen kann man direkt etwas essen, die Leute beobachten und dazu Wein trinken.

Allerdings meinen die Italiener es auch gut mit den Essensmengen :-). Das hier sollte ein kleiner Imbiss für zwei mit verschiedenen Foccaccie sein! Hat toll geschmeckt, aber wir haben beim besten Willen nicht alles geschafft!

 

foccaccie in modena

Am Nachmittag lassen wir uns viel Zeit, um durch die Stadt zu bummeln. Dabei verstehen wir auch endlich, was „Modena in fiore“ bedeutet: Die ganze Stadt war für dieses Wochenende praktisch ein einziges Blumenmeer! Auf allen Plätzen, an Ecken und am Straßenrand wurden Blumen angeboten, eine wahre Pracht. Dazu wimmelte es von italienischen Familien, die die Blumen bestaunten und die Gelegenheit nutzten, um reichlich einzukaufen. Lustig fanden wir, dass stets die Männer die teilweise ausladenden Pflanzen heimtrugen!

Reisetipp: Modena, die unbekannte Schöne

Reisetipp: Modena, die unbekannte Schöne. Am Abend noch ein Essen in der empfohlenen Trattoria Aldina,die sich versteckt im  Obergeschoss gegenüber des Mercato Albinell befindet und dann konnten wir trotz der feiernden jungen Leute unter unseren Fenstern gut schlafen!

Trattoria Aldina      Adresse: Via Luigi Albinelli, 40, 41121 Modena MO, Italien

Am nächsten Tag sind wir noch bei strahlendem Sonnenschein durch einen der zahlreichen kleinen Parks spaziert. In Norditalien ist der Frühling schon viel weiter als bei uns und im Park blühen die Bäume und Hecken wunderschön! Dann mussten wir leider auch schon Abschied nehmen. Schade, wir wären gerne noch ein wenig geblieben in der wunderschönen kleinen Stadt Modena.
Reisetipp: Modena, die unbekannte Schöne
Wahrscheinlich merken Sie schon, wie sehr ich Italien und das italienische Leben liebe! Im letzten Herbst war ich auch für einige Zeit in Rom. Hier können Sie den Beitrag und meine Tipps für die Stadt Rom anschauen.

Reisetipp: Modena, die unbekannte Schöne. Fahren Sie auch gerne nach Italien? Vielleicht haben Sie auch noch ein paar Tipps oder lohnende Ziele abseits der Massen für mich? Daran bin ich immer interessiert.

Mittlerweile hat ja auch bei uns hier der Frühling Einzug gehalten. Zwar mit kalten Unterbrechnungen, aber die Pflanzen lassen sich nicht beirren und die Vögel auch nicht ;-).
Genießen Sie die Frühlingstage und das Blühen rundherum…..
Das wünscht Ihnen
Erika Magdalena Logo

6 Kommentare zu „Reisetipp: Modena, die unbekannte Schöne.

    1. Schön, wenn ich Deine Lust auf Modena wecken könnte. Schau es dir an, die Stadt gefällt Dir bestimmt.
      Liebe Grüße
      Erika

  1. Man spürt die italienische Atmosphäre, da wäre ich auch gerne! Ich gebe ganz ehrlich zu, ich beneide euch in Süddeutschland, ihr habt relativ nah, an die schönsten Ecken. Ob Berge, Österreich oder Italien. Einfach nur schön! Liebste Grüße und Danke für deine Eindrücke!

    1. Liebe Mira,
      wir sind tatsächlich viel näher an Italien dran! Da hast du recht.
      Aber ich freue mich, dass ich Dir schöne italienische Eindrücke vermitteln konnte.
      Einen wunderschönen Sonntagabend und liebe Grüße
      Erika

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